AnaCredit

Mit dem Beschluss EZB/2014/6 der Europäischen Zentralbank (EZB) wurden am 08. April 2014 die Voraussetzungen zur Schaffung eines neuen zentralen europäischen Kreditregisters bekannt gegeben. Dieses Vorhaben, Analytical Credit Dataset (kurz: AnaCredit), hat eine weitreichende Wirkung und betrifft praktisch alle Institute. Am 18. Mai 2016 wurde die EZB-Verordnung beschlossen und kurz darauf veröffentlicht. Wesentliche Inhalte dieser Verordnung sind eine Vielzahl von Informationen über die Kreditnehmer eines Institutes, die vergebenen Kredite und die entsprechenden Kreditsicherheiten, die an die jeweiligen nationalen Zentralbanken zu melden sind. Die nationalen Zentralbanken übermitteln diese Informationen dann in anonymisierter Form an die EZB. Die Meldung ist über bereits bestehende Meldepflichten hinaus abzugeben. Der Geltungsraum der Verordnung umfasst die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion.

Zielsetzung

  • Die Schaffung eines einheitlichen europäischen Kreditregisters
  • Die Strukturierte Sammlung und Verwaltung granularer Kreditdaten
  • Die Kenntnis über Art, Höhe, Laufzeit und Schuldner der in der Eurozone vergebenen Kredite
  • Die Nutzung der Daten durch die EZB zu bankaufsichtlichen und statistischen Zwecken sowie aus geldpolitischen Erwägungen
  • Die Überwachung im Rahmen des Single Supervisory Mechanism (SSM)

Anforderungen und Umfang für die Institute

Die Meldepflicht umfasst zunächst Kredite ausschließlich an juristische Personen. Die Meldeschwelle beträgt 25.000 € (bezogen auf die Summe aller Kredite pro Kreditnehmer). Meldungen von Hypothekenkrediten an Privatpersonen sind in Phase I (Stand vom 23.05.2016) nicht vorgesehen, werden aber voraussichtlich in zukünftigen Phasen meldepflichtig. Im Rahmen des „loan by loan-Ansatzes“ erfolgt dabei die monatliche Meldung eines jeden einzelnen Kreditdatensatzes der betroffenen Kreditnehmer über die Bundesbank an die EZB. Die zur Meldung zugehörigen Stammdateninformationen müssen einmalig bzw. laufend im Falle von Änderungen übermittelt werden.

Die momentan geforderten 95 Attribute lassen sich in folgende Bereiche einordnen:

  • Kreditgeber
  • Kreditnehmer
  • Geschäftsdaten
  • Sicherungsgeber
  • Sicherungsgegenstand
  • Erkennen von gemeinschaftlichen Ausleihungen und Schuldverhältnissen.

Die Bundesbank wird für die Phase I voraussichtlich keine weiteren Attribute über die Liste der EZB hinaus einfordern. Diese Möglichkeit der individuellen Erweiterung steht jedoch allen nationalen Zentralbanken im europäischen Währungssystem frei. 

Umsetzung und erwarteter Zeitplan

Der Verordnungs-Entwurf vom Dezember 2015 sah eine kurze „Observationsphase“ vor, in der Anmerkungen bis zum 29. Januar 2016 an die EZB eingeliefert werden konnten. Die abschließende Beratung und der endgültige EZB-Rats-Beschluss fanden am 18. Mai 2016 statt. Auf dieser Basis steht die Anordnung der Bundesbank gemäß § 18 BBankG noch aus. Die Anwendung wird voraussichtlich in mehreren Phasen erfolgen, beginnend mit Phase I am 31. Dezember 2017. Ab diesem Zeitpunkt steht es den nationalen Zentralbanken frei, erstmals Stamm- und Betragsdaten von den Instituten anzufordern. Die Bundesbank hat bereits angekündigt, der ersten Meldung eine Testphase vorzuschalten. Derzeitige Ausführungen der Bundesbank beschränken sich auf eine Vorabmeldung von Stammdaten ab dem ersten Quartal 2018. Eine Ausweitung auf Betragsdaten kann jedoch nicht ausgeschlossen werden. Momentan bleibt abzuwarten, inwieweit die Bundesbank die EZB-Verordnung im Detail umsetzen wird. Die erstmalige Weiterleitung der Meldung an die EZB ist derzeit per 30. September 2018 vorgesehen. Die weiteren Phasen sind noch nicht definiert. Die EZB wird diese aber mindestens zwei Jahre im Voraus ankündigen. Die folgende Grafik beschreibt die einzelnen Phasen und deren Auswirkung:

Herausforderungen

Die größte Herausforderung für die betroffenen Institute wird sein, die melderelevanten Daten aus verschiedenen Bereichen, wie z.B. Risikomanagement, Kredit, Meldewesen, Accounting etc. zusammenzuführen und in der erforderlichen Granularität und Qualität bereitzustellen. Bei den meisten Instituten wird die aktuelle IT-Architektur, die bestehende Datenverfügbarkeit im Front Office oder die derzeitige Verarbeitung im Datawarehouse nicht ausreichen.

Die folgenden Punkte geben einen Ausblick, welche wesentlichen Herausforderungen auf die Institute zukommen.

  • Es werden umfangreiche Anpassungen von Systemen und Prozessen vorzunehmen sein. Die knappe Zeit zur Konzeption und Umsetzung muss genutzt werden. Dies gilt vor allem für die prozessualen Fragestellungen.
  • Insbesondere bei Instituten mit ausländischen Filialen oder Töchtern ergeben sich zusätzliche Herausforderungen durch nationale Anforderungen und spätere Gruppenmeldungen.
  • Bei der Beschaffung der benötigten Informationen sind verschiedene Datenlieferanten involviert. Die Schaffung einer einheitlichen Datenbasis teilweise auch aus verschiedenen Geschäftsbereichen nimmt dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle ein.
  • Die Datenqualität muss aufgrund der niedrigen Meldegrenzen deutlich verbessert werden.
  • Aufgrund der hohen Datenmenge sind keine manuellen Korrekturen möglich. Ungeachtet dessen ist die Konsistenz mit anderen Meldungen sicher zu stellen.
  • Mögliche Überschneidungen oder eine verbundene Umsetzung mit anderen Projekten (z.B. BCBS 239 und FinRep) sind zu prüfen.

Aufgrund des sehr engen Zeitplanes und der hohen Anforderungen müssen die Institute zeitnah reagieren und die Gap-Analysen kurzfristig durchführen. Entsprechend der Institutsstruktur sollte frühzeitig eine Kosten- und Aufwandsschätzung für ein Umsetzungsprojekt erfolgen. Nur über die rechtzeitige Auseinandersetzung mit der Thematik und der entsprechenden Projektplanung kann eine geeignete und zeitgerechte Implementierung sichergestellt werden.

Unsere Leistungen im Überblick

Im Rahmen einer Vorstudie unterstützt Sie die SKS Group und zeigt Lücken und
Handlungsfelder auf, die bei der Umsetzung von AnaCredit eine besonders hohe
Relevanz haben. Im Rahmen des Umsetzungsprojektes unterstützen wir Sie sowohl fachlich als auch technisch seitens SKS Advisory und SKS Solutions. Unseren erfolgreichen Lösungsansatz konnten wir bereits bei einer Vielzahl von Kunden unter Beweis stellen. Konkret bieten wir folgende Leistungen an:

  • Vorstudie Gap-Analyse Workshop
  • Architekturberatung
  • Analyse der Datenanforderungen und Identifikation der Datenquellen
  • Projekt- und Testmanagement
  • IT-Umsetzung der Anforderungen 
  • Fach- und DV-Konzeption
  • Unterstützung bei der Planung und Umsetzung des  Projektes

Gerne verweisen wir auf einen von SKS verfassten Artikel im „Risiko Manager“. Um diesen zu lesen, klicken Sie hier auf den Link.

Ansprechpartner 

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